Alles frisch, oder was? – Das Drama mit dem MHD

Ich bin heute auf einen Spruch gestoßen, der mir sofort im Kopf blieb:

Ich persönlich finde diese extreme Lebensmittelverschwendung in der industriellen Welt einfach unmöglich. Wir leben in einer sogenannten „Überflussgesellschaft“. Alles ist in mehr als ausreichender Menge vorhanden und verleitet dann wahrscheinlich auch viele dazu, einfach kurzen Prozess mit Lebensmitteln zu machen. Man kann ja wieder neue kaufen…

Meine Eltern stammen noch aus Jahrgängen, als es in Deutschland absolut NICHT selbstverständlich war, in einen Supermarkt zu gehen und sich mit alledem, was einem beliebt, einzudecken. Sprich: Beide wurde in den 30er-Jahren geboren.

Bis vor gut 10 Jahren bewirtschafteten meine Eltern noch einen 800 Quadratmeter großen Garten, in dem sie alles für den Alltag notwendige anbauten. Kartoffeln, Möhren (oder auch Mohrrüben, Karotten, Gelbrübe, Gelbe Rübe, Rüebli, Riebli oder Wurzel), Obst, Spargel, Tomaten, Gurken, Salat – alles kam aus dem eigenen Garten und wurde zum Teil auf Vorrat für den Winter eingekocht. Fleisch gab es vom hauseigenen Schwein und auch Geflügel zog man sich selber. Man wusste also, was für eine Arbeit in dem, was man auf dem Teller hatte, steckt und ging dementsprechend ganz anders damit um. Wegwerfen? Auf gar keinen Fall, solange es in Ordnung war.

Wie ist es denn nun heutzutage? Einen Garten haben viele noch, aber weniger zur Selbstversorgung, als vielmehr zum entspannenden Ausgleich zur hektischen Arbeitswoche. Also kauft die Mehrheit der Bevölkerung Lebensmittel im Supermarkt.

Auf jedem gekauften und verpackten Lebensmittel ist von Gesetzes wegen her ein Mindesthaltbarkeitsdatum verzeichnet, bei manchen Lebensmitteln wie Fisch oder Mett auch ein „Zu verbrauchen bis“. Zur Info: Lebensmittel mit einem „Zu verbrauchen bis“ auf der Verpackung bitte UNBEDINGT bis zum angegebenen Datum verbrauchen und nach Ablauf des Datums nicht mehr verwenden und entsorgen!

Verrückt ist, dass selbst trockene Lebensmittel, wie beispielsweise Salz oder Zucker, ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung tragen. Ob Oma früher auch den Zucker in die Tonne gehauen hat, nur weil der schon etwas länger im Schrank stand? Mit Sicherheit nicht. Und was soll denn an Salz bitte schlecht werden?

Ich habe letztens mal mit einem Mitarbeiter der Abfallentsorgung gesprochen und ihn gefragt, was denn so alles in der Tonne landet. Was er mir da berichtet verschlug mir die Sprache. Wir sollten uns bewusst machen, dass es auch in den Industrieländern Menschen gibt, die sich nicht ständig frisches Obst oder Gemüse, Wurst oder Käse leisten können – Ob die Verständnis haben, dass wir heute Blattsalate wegwerfen, nur weil 2 Blätter am Rand braun sind?

Auch ihr kennt sicher Leute, die einen Joghurt 2 Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums lieber nicht mehr essen, aus Angst, sich „etwas“ einzufangen.

Sind die Geschmacksknospen Vieler mittlerweile so zurück gebildet, dass sie nicht mehr schmecken, ob der Joghurt noch in Ordnung ist, oder eben nicht? Oder vertraut man nur noch blind dem, was uns Hersteller suggerieren, anstatt selbst Entscheidungen zu treffen und auf die eigenen Sinne zu vertrauen?

Das auf einer Ware oder deren Verpackung aufgestempelte Mindesthaltbarkeitsdatum gibt an, bis zu welchem Zeitpunkt dieses Lebensmittel unter entsprechenden Lagerbedingungen seine sogenannten „spezifischen Eigenschaften“ behält. Im Übrigen müssen gewisse Einbußen an Geruchs- und Geschmacksstoffen, Vitaminen aufgrund der Naturgesetzlichkeit hingenommen werden. Somit hat man mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum weder eine Garantie, dass die Ware vor Ablauf gesundheitlich unbedenklich ist, noch wird ausgeschlossen, dass die Ware nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch unbedenklich verzehrt werden kann.

Ich denke, wir sollten wirklich wieder anfangen, uns auf die uns von Mutter Natur mitgegebenen Sinne zu bauen und auch ein bisschen selbstkritisch mit uns selber werden, ob es denn wirklich sein muss, dass man ausschließlich an einer auf der Verpackung aufgedruckten Zahl festmacht, ob das Nahrungsmittel noch essbar ist, oder nicht.

Ein weiterer, in meinen Augen wichtiger Punkt: Wir sollten auch wieder anfangen, nur soviel zu kaufen, wie wir auch tatsächlich verbrauchen können. Was nützt einem ein monströser, bis zum letzten Millimeter gefüllter Kühlschrank, wenn absehbar ist, dass man die darin gelagerten Lebensmittel sowieso nicht komplett verwerten kann.

Wenn wir mal Wurst übrig haben, die kurz vor dem MHD oder auch schon darüber ist, dann wirbelt mein Mann wie wild in der Küche und zaubert eine Soljanka. „Soljanka?“ fragen sich jetzt sicher einige. Ja, Soljanka. Eine Suppe, eigentlich aus Russland kommend und nicht unbedingt so zubereitet, wie wir es bei uns zu Hause machen, bei der wir alle Reste an Wurstwaren verbrauchen. Absolut lecker. Wenn ihr mögt, gebe ich Euch gern das Rezept.

Zum Abschluss eine große Bitte: Solltet ihr mal wieder vor dem Kühlschrank stehen und mit euch selbst hadern, ob das noch essbar ist – benutzt Eure Sinne. Die Augen sehen schnell, ob die Wurst einen Grauschleier hat, oder schon irgendwo ein bisschen grünlich wird. Die Nase ist ein empfindliches Organ und erhascht relativ schnell, ob etwas noch gut ist, oder eben nicht. Dann nehmt die Finger – solange die Wurst nicht „schmierig“ ist, könnt ihr gern die Geschmacksknospen in Fahrt bringen. Ihr sollt ja nicht einen riesigen Bissen probieren, ein kleines Stück reicht. Schmeckt es noch so, wie ihr es kennt? Dann ab damit auf den Tisch.

Joghurt kann man problemlos noch 2 Wochen über dem Mindesthaltbarkeitsdatum essen, solange der Deckel fest verschlossen ist. Und solange verschweißte Wurst oder Käse nicht aufgebläht ist oder irgendwo Luft gezogen hat (was dann als schmierig, grau, oder grün sichtbar wird), gebt dem Ganzen eine Chance, noch dafür verwendet zu werden, für was es produziert wurde.

Und wenn ihr trotzdem noch mit Euch hadert, kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehende Lebensmittel zu verwenden: Fragt mal bei den örtlichen Tafeln an. Diese freuen sich immer über Spenden.

Wie handhabt ihr das denn mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum?

Einen schönen Abend wünsche ich Euch.

Liebe Grüße,

Anita

8 Kommentare zu „Alles frisch, oder was? – Das Drama mit dem MHD

  1. Den Spruch sollte ich hier mal in dir Küche hängen. Es gibt hier doch welche, die das durchaus glauben. Ich versuche nur das zu kaufen was benötigt wird. Versuche, so wenig wie möglich zu entsorgen. Geht leider nicht immer. Aber ich koche/esse trotz abgelaufenen MHD. Und das tut wenn unwissend die ganze Familie. Und wir leben wirklich noch. Es wird mehr als Zeit, hier besser aufzuklären. Aber wenn es schon am Anfang der Kette – Supermarkt – krankt… Wie soll das funktionieren. Aber je mehr sich dem endlich bewusst werden, desto besser

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    1. Genau so sehe ich das auch: Es muss aufgeklärt werden. Gut, es muss auch von Amts wegen her kontrolliert werden, denn wenn ich FRISCHE Ware haben möchte als Kunde, sollte es mit konsequenten Strafen verboten werden, dass Ware wieder neu verpackt und neu etikettiert wird. Dass die Lebensmittelindustrie natürlich kein Interesse daran hat, Menschen aufzuklären ist nicht von der Hand zu weisen, geht es doch für diese um ein gutes Geschäft. Das sieht man auch an der nicht vorhandenen Ampel auf Lebensmitteln: Diese wird seit Jahren gefordert, kommt aber nbicht, weil die Konzerne dann Einbussen zu verzeichnen hätten. Aber wenn nur ein paar Leute anfangen, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen ist doch schon mal ein guter Anfang gemacht. 🙂

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