Diabetes – Gefährlicher „honigsüßer Durchfluss“

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Bildquelle: Stichting BlueDiabetes

„Der Weltdiabetestag wird seit 1991 als ein Tag der Internationalen Diabetes-Föderation (International Diabetes Federation, IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) durchgeführt. Man hat den 14. November ausgewählt, da an diesem Tag Frederick G. Banting geboren wurde, der gemeinsam mit Charles Herbert Best 1921 das lebenswichtige Insulin entdeckte. Seit 2007 ist der Weltdiabetestag ein offizieller Tag der Vereinten Nationen (United Nations, UN). Er wurde im Dezember 2006 in der Resolution 61/225 verabschiedet. Damit ist er, neben dem Welt-AIDS-Tag, der im Jahre 1988 ausgerufen wurde, der zweite Tag, der einer Krankheit gewidmet ist.“ (Quelle)

Mich traf die Diagnose „Typ I-Diabetes“ im Jahr 1981, vielmehr bekamen meine Eltern von den Ärzten gesagt, dass ich einen Typ I-Diabetes habe. In den letzten 36 Jahren hat sich im Bereich der Diabetes-Behandlung unheimlich viel getan.

Wurde ich als Kind noch mit Nadeln à la Stricknadel maltretiert, so bin ich seit nunmehr 11 Jahren stolze Pumpenträgerin. Diese hat mir nicht nur die lang ersehnte „Normalität“ in den Alltag gebracht, sondern sie ermöglichte mir vor fast 6 Jahren auch, den größten Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen: Ich durfte Mutter werden.

Mittlerweile erleichtert mir das CGM (kontinuierliche Glukosemessung) mit Hilfe eines Sensors den Diabetes-Alltag.

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© Medtronic

Das sieht für Außenstehende immer etwas „komisch“ aus, aber es ist für uns Diabetiker etwas ganz Normales. :) Der Sensor misst und sendet aller 5 Minuten den Wert an meine Pumpe und diese zeigt mir graphisch den Glukoseverlauf. Sollte der Wert zu niedrig sein, so warnt mich die Pumpe mittels akustischen Signalen (und glaubt mir, die können echt penetrant sein) und schaltet sich ab einem vorab eingestellten Glukosebereich im unteren Niveau automatisch ab. Diese Funktion hat bei mir dazu beigetragen, dass ich kaum noch schwere Unterzuckerungen habe – eine tolle Sache.

Für die Zukunft arbeitet man an einem sogenannten Closed-Loop-System, welches im Endeffekt anhand des im Unterhautfettgewebe gemessenen Glukosegehalts automatisch die Insulinabgabe anpasst. In den USA ist ein solches System bereits zugelassen worden (Quelle) und mit großer Spannung warten wir Typ I-Diabetiker, dass es auch auf dem europäischen Markt zugelassen wird. :)

Bei all den positiven Entwicklungen bleiben leider auch nicht weniger wichtige Punkte, die genannt werden müssen. Was die Folgeschäden angeht, so ist es leider bis heute nur durch konsequente Therapie machbar, eben Folgeerkrankungen der Nerven, Nieren oder auch Augen zu vermeiden. Ich denke, mit jeder Weiterentwicklung der Therapiemöglichkeiten wird uns auch ein stückweit mehr die Möglichkeit gegeben, die Folgen zu verringern, sofern man gewillt ist, die Anweisungen des behandelnden Arztes zu befolgen. Das erweckt bei Nicht-Betroffenen oft den Anschein einer Art „Drill“, aber wie auch Schüler oft mal eine Null-Bock-Phase haben, so haben auch wir Langzeit-Diabetiker irgendwann mal die Nase gestrichen voll von dem ständigen Dokumentieren, Messen und und und… Ich schließe mich da natürlich mit ein, denn in 36 Jahren Diabetesdauer kam diese Phase bei mir mehr als 1 Mal vor und auch wenn der Verstand einem sagt, dass man das Ganze doch schließlich für sich selbst macht, so sitzt dann und wann ein kleiner biestiger Teufel auf der Schulter und erklärt einem, dass man doch auch mal an sich denken muss und wenn man eben keine Lust auf ständiges Messen hat, dann ist das eben so.

Ihr seht, wie so viele andere, so lebe auch ich immer in einem kleinen Zweikampf zwischen der Vernunft und dem irrationalen Handeln. :)

Leidet auch ihr an einer chronischen Krankheit? Wie lebt ihr damit? Kennt ihr diese Zeikämpfe auch?

Ich würde mich über ein paar Kommentare sehr freuen, weil jeder oft nur sein Päckchen mit sich selbst herumschleppt und es einfach kein Tabu mehr sein darf, über Krankheiten offen zu reden!

Nun wünsche ich euch einen schönen Abend.

Vielen Dank, dass ihr vorbei geschaut habt. :)

Anita

2 Kommentare zu „Diabetes – Gefährlicher „honigsüßer Durchfluss“

  1. Hallo Anita

    Danke für diesen sehr interessanten Beitrag. Ich selbst leide zum Glück nicht an Diabetes, aber mein Mann ist Typ I Diabetiker. Bei ihm hat es aber erst im Erwachsenenalter angefangen mit Typ II und erst später musste er spritzen und es wurde zu Typ I, da er leider diese „Nullbock“-Phase über einen sehr viel längeren Zeitraum hatte. Auch als Typ I Diabetiker kümmert er sich nicht wirklich und man muss ihm sehr oft in den Hintern treten, damit er alles ordentlich dokumentiert und misst. Denn leider vertritt er immer noch die Meinung, dass er schon merkt, wenn er Zuviel oder zu weniger Zucker hat. Selbst nach einem Notfall wegen Zuckerwerten über 400 über längere Zeit, was im Krankenhaus auf der Intensivstation geendet hat, ist er leider immer noch sehr oft sehr nachlässig, was mir doch Sorgen bereitet. So eine Pumpe finde ich sehr praktisch, gerade für Personen, die da eher nachlässig sind und auch für Kinder.
    Ich finde es immer wieder wahnsinnig interessant, was heutzutage alles möglich ist und wie die Technik und die Medizin voranschreitet. Mir tun zwar immer gerade Kinder leid, die schon so früh mit Diabetes oder anderen gemeinen Krankheiten belastet sind, aber ich bewundere es auch immer, wie gewissenhaft und selbstverständlich sie das alles hinbekommen und damit umgehen.

    Ich wünsche dir alles Gute.
    Danke für den sehr interessanten Einblick.

    Liebe Grüße,
    Melanie =^_^=

  2. Hallo Melanie, :)

    Vielen Dank für Deinen ehrlichen Kommentar.

    Bisher musste ich nie stationär ins Krankenhaus wegen zu hoher Werte (ich klopfe mal auf Holz) und ich bin mir nicht sicher, ob es bei Deinem Mann wirklich ein Typ I-Diabetes ist, denn nicht jeder Diabetiker, der zunächst mit Tabletten behandelt wurde und später spritzen muss ist automatisch ein Typ I-Diabetiker.

    Typ I-Diabetes ist, wenn das Immunsystem die Insulin produzierenden Inselzellen auf Grund einer autoimmunen Reaktion zerstört. Bei mir wurde das damals durch einen simplen Infekt ausgelöst und zum Diabetes haben sich mittlerweile noch einige andere autoimmune Erkrankungen gesellt, was aber normal ist. :)

    Dass Du Angst hast kann ich durchaus verstehen. Für den Partner ist es nie einfach, als Nicht-Diabetiker Angst haben zu müssen, dass wieder etwas passiert. Umso wichtiger wäre, dass Dein Mann Dir diese Sorgen halbwegs nimmt.

    Ich habe mittlerweile 2 Schulungskurse für die Wahrnehmung von Unterzuckerungen mitgemacht und dabei ist dann ein Abend, bei dem auch die Partner der Patienten mit dabei sind. Wenn diese dann erzählen, wie sie unsere „Entgleisungen“ wahrnehmen bekomme ich jedes Mal Gänsehaut, weil man es als Betroffener leider nicht immer so sieht und man dann auch mal ungehalten wird. Nach der Entbindung unserer Zwillinge hatte ich eine ganz schlimme Phase mit ganz vielen, sehr starken Unterzuckerungen. Ich muss Dir nicht schreiben, dass mein Mann ständig Angst hatte und dann immer nur am Meckern war, dass der Zucker ja schon wieder unten sei.

    Irgendwann ging mir das so auf die Nerven, dass ich auch verbal böse wurde, weil man sich einfach bevormundet fühlt. Erst nachdem er mit bei dem o.g. Kurs war und das dort erörtert wurde, konnte ich seine Angst nachvollziehen.

    Wegen der Dokumentation: Da muss ich gestehen bin ich auch oft schusselig, aber sobald ich das Gefühl habe, dass etwas nicht stimmt (mir wird mega übel, wenn der BZ zu hoch ist) mache ich sofort einen Test und korrigiere (manchmal, typisch Typ Ier, viel zu stark) den Zucker nach unten.

    Aber ich nutze für die Dokumentation die App „mySugr“ für mein Smartphone. Das Schreiben in Papiertagebücher ging mir so auf die Nerven und hier habe ich alles in einer App und kann daraus PDF-Dateien exportieren und diese meinem Diabetologen per Mail schicken. :)

    Eventuell wäre das ja eine Option, dass er es auch mit dem Handy macht, denn das hat man ja ziemlich oft in der Hand. ;)

    Ich gehe am Montag nach vielen Jahren mal wieder stationär zur Neueinstellung. Bin mal gespannt, wie lange es dauert und was sie sonst noch so finden. :)

    Ich drück euch beiden die Daumen, dass ihr einen für beide Seiten guten Weg findet, mit dem Diabetes umzugehen. Falls es bei Euch so etwas gibt, ruf doch einfach mal bei einem Diabetologen an und lass Dir einen Termin bei einer Beraterin geben. Die sind für solche „Problemchen“ immer gute Ansprechpartner und zeigen auch Dir Wege auf, wie Du ein bisschen entspannter damit umgehen kannst. :)

    Und wenn es mal brennt, schreib mir eine Email, in der Du Dich mal so richtig auskotzt. Es ist manchmal leichter, sich bei jemanden zu erleichtern, der nicht damit in Zusammenhang steht.

    Ich wünsche Dir und auch Deinem Mann ein schönes Wochenende und sende Dir ganz liebe Grüße,

    Anita

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